Wir hatten damals noch eine Telefonzentrale im ersten Stock. Bewusst abgeschirmt damals, weil wir speziell aus Südamerika viele Attentate in Hotels hatten, wo die Telefonzentrale, also Nachrichtenübermittlung in die Luft gesprengt wurde. Oder Geiselnahme und so weiter. Heute sind die meisten Telefonistinnen sichtbar und der Gast kann mit ihr reden. Bei uns war die hinter einer verschlossenen Tür. Kein Mensch hat gewusst wo die ist. 24 Stunden. Damals gab es ja noch keine Mobiltelefone und Kommunikation war ein wesentlicher Faktor bei 500 Zimmern. Ernstfall, was passiert, wenn es brennt? Oder Bombenattentat oder was immer. Da sitzt jetzt eine junge Frau allein, von 23 bis 7 Uhr früh, an dem Schrank und wenn die davonläuft, ist das Hotel ohne Kommunikation. Also mit der Person muss ich ein Vertrauensverhältnis entwickeln, ich habe sehr oft speziell mit denen, die gerade neu in die Nachtdienstsituation kamen, mich in der Nacht dazugesetzt und habe da ein Gespräch geführt. „Was machen Sie, wenn das oder jenes…“  Und da kam dann immer irgendwann im Laufe des Gespräches die Erklärung: „Sollte wirklich etwas passieren, ich hole Sie raus.“ Und das haben mir die, wir hatten einmal einen solchen Fall. Das Intercontinental ist auf dem ehemaligen Clubgebäude des Eislaufvereines gebaut und der Eislaufverein wird heute noch betrieben mit einer Ammoniakanlage. Also Ammoniak erzeugt in den Wintermonaten Kühlung, und da sind in dieser Fläche mit einem Rohrgeflecht Tonnen von Ammoniak drinnen. Im Sommer wird das selbe Aggregat, aber nicht in diesen Rohrleitungen, sondern im Aggregat dazu verwendet, das Hotel zu kühlen. Da gibt es einen hundertjährigen Vertrag zwischen Hotel und Eislaufverein. Und in der Übergangszeit, also wenn die Eislaufsituation zu Ende geht, dann wird das Ammoniak abgesaugt in Behälter. Und da gibt es natürlich Fehler, Probleme.

Eines Nachts: Ammoniakaustritt. Ammoniak hat zum Glück eine größere Dichte und ist schwerer als Luft, also steigt nicht auf, sondern sinkt hinunter. Also Feuerwehr rund ums Hotel, evakuieren. Evakuieren ist ein anderes Stichwort, werde ich Ihnen gleich erzählen. „Wir evakuieren nicht.“ Aber die unteren Räume, da darf niemand hinunter gehen. Also Aufzüge fahren nur bis ins Erdgeschoss, und die Telefonistin muss wissen, es stinkt nach Ammoniak, aber alles in Ordnung. Die Feuerwehr hat das dann abgesaugt, Riesendiskussion mit der Polizei und mit der Feuerwehr. „Also Sie hätten das Hotel evakuieren müssen…“ Die sind nicht bei Trost. Wenn ich um vier Uhr früh das Hotel evakuiere, springen mindestens drei Leute beim Fenster hinaus. Die sind tot. Geschlafen in den Betten, nichts passiert. In der Früh kamen die Mitarbeiter in die Umkleideräume. „Es stinkt nach Ammoniak.“ Weil der Keller war voll mit Ammoniak.

 

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