Und dann kam Silvester. In dem Restaurant haben ungefähr 80, maximal 100 Leute Platz. Ich weiß nicht, wie viele da waren, aber das Lokal war voll. Kurz nach Mitternacht kommt der Küchenchef, das war ein Elsässer, nur 1,60 Meter groß, der hat überhohe Kochmützen getragen, damit er in der Küche größer ausschaut. Kam Tränen überströmt, Katastrophe. Sag ich: „Was ist los?“ „Die Schwarzen sind weg.“ Also ich gehe in die Küche, da stand Geschirr, Tabletts, am Boden, überall, furchtbar. Lokal voll. „Was ist los?“ Dann hat uns irgendjemand vielleicht noch einer von den noch verbliebenen Schwarzen gesagt: „Es ist Junkanoo.“ „Was ist Junkanoo?“ Junkanoo ist sowas ähnliches wie Mardi Gras in Südamerika. Da tanzen die auf der Straße, die ganze Stadt ist in Bewegung, die haben alles liegen und stehen gelassen. Und wir haben das nicht gewusst. Wir waren nicht vorbereitet. Und jetzt kommt – und den Zeitzeugen gibt es noch, ein bekannter Hotelier – der Adi W. kommt in die Küche: „Was machen wir?“ Und der Adi W. ist ein Typus Mensch, der unwahrscheinliche Einfälle hat, und alle möglichen Dinge arrangiert. Ich kenne ihn seit damals. Er ist verheiratet mit einer Gerda G., die das Hotel H. hat, die Familie G. gekauft. Und der erste Ehekrach ist entstanden deswegen, weil der älteste Sohn, den hat er mit – ich weiß nicht, sechs Monaten – zu Weihnachten im Hotel H. in die Krippe gelegt im Restaurant. Das ist der Adi W.

Also, sagt er: „Ja, ich weiß was.“ Damals habe ich ihn noch nicht so gekannt, wie ich ihn heute kenne. Und er geht hinein und da gab es einen kanadischen Millionär Thomson, mit dem hatte er ein eher gutes Verhältnis aufgebaut, die Thomsons hatten ein Haus, aber auch eine Yacht. Und der Adi W. hat immer Partys für sie arrangiert und war so quasi familiär aufgenommen bei ihnen. Und dem Thomson sagt er, ich war jetzt nicht dabei aber ich kenne die Auswirkungen. „Wir haben eine riesige Katastrophe, was machen wir?“ Und der Thomson sagt: „Sorg dafür, dass genügend Champagner in der Küche ist, ich werde das in die Hand nehmen.“ Und Sie müssen sich vorstellen, dort sind 100 Leute, betucht und der Thomson stellt sich hin und sagt: „Wir machen jetzt eine Party in der Küche.“ Den Frauen wurden Tischtücher umgebunden, die haben angefangen Geschirr zu spülen, es gibt einen Film davon, der Adi W. hat einen Film gemacht. Da sind dann was weiß ich wie viele Millionen in der Küche, servieren Champagner und Jahre später haben mir noch Leute gesagt, das war der größte Gag, den es überhaupt gibt. Aus einer Katastrophe, oder im Englischen gibt es einen Ausdruck: „How to make lemonade out of a lemon.“ Das war eine „lemon“, die uns hätte furchtbar auf den Kopf fallen können, aber das wurde umgedreht.

 

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.