Das ist ja eines der Risiken, die ich aus heutiger Erfahrung nicht mehr machen würde. Da war ich, da gehe ich jetzt zurück ins Jahr 69, war ich provisorischer General Manager und wir hatten eine Aufsichtsratssitzung, die Hauptaktionäre des Hotels waren: die Republik Österreich mit 17 Prozent, Intercontinental mit sieben Prozent, und der Rest zwischen CA und Länderbank, den beiden Großbanken in Österreich. In meiner neuen Verantwortung also Aufsichtsratssitzung, ein Ministerialrat vom Finanzministerium, ein Mann vom Intercontinental und je ein Vertreter von den beiden Banken. Und ich werde furchtbar geprügelt, weil die Ergebnisse des Hotels, es war nicht so schlecht, aber die Eigentümergesellschaft war praktisch pleite. Aus einer Fehlkonstruktion, die ursprünglich gemacht wurde, nämlich, es gab eine Gesellschaft, die hat geheißen Erste Wiener Hotelbetriebsgesellschaft. Und das waren die Eigentümer, CA, Länderbank, Republik Österreich und Intercontinental. Und eine Betriebsgesellschaft. Die Eigentümergesellschaft konnte Abschreibungen vornehmen, am Gebäude, die Betriebsgesellschaft nicht. Die Betriebsgesellschaft hat für alle Einnahmen oder Erlöse den Vollsteuersatz bezahlt und hat einen sehr geringen Nettoerlös an die Eigentümer geliefert, die davon nicht leben konnten. Also 69 stand die Eigentümergesellschaft vor der Pleite. Und in meiner jugendlichen Unverfrorenheit, quasi in die Ecke gedrängt von den Aufsichtsräten: „Also was machen wir, damit endlich das Hotel geht und damit wir endlich mehr Gewinne machen…“ Habe ich, muss ich heute noch lachen, wenn ich daran denke, absolut unverfroren, aber keck, habe ich gesagt: „Meine Herren, wir, Intercontinental, glauben an das Hotel. Wenn Sie nicht an das Hotel glauben, müssen Sie Ihren Anteil verkaufen.“ Frech. Absolut frotzig. Das waren zwei Herren im gesetzten Alter, das waren beide pensionierte Bankdirektoren, die sind blass geworden.

Aufsichtsratssitzung vorüber, am Nachmittag ruft mich der von der Länderbank an. Sagt er: „Hören Sie, war das ein Angebot?“ Sag ich: „Ich weiß nicht, was Sie meinen.“ Sagt er: „Naja, würde Intercontinental unsere Anteile kaufen?“ Sag ich: „Das kann ich nicht beurteilen, das wird in New York entschieden.“ „Naja dann erkundigen Sie sich halt einmal.“ Provisorischer General Manager, ich gehe zu meinem Freund, dem Walter O. bei der PanAm und sag ihm – das muss aber ganz geheim bleiben. Darf niemand lesen, Telex, er schreibt das selber, die Sekretärin wird hinaus geschickt. „Haben wir ein Interesse, die Anteile der Länderbank zu kaufen?“ Später haben mir die Leute…

 

V.H.:  Das waren 17 Prozent?

 

E.:  Nein. IHC sieben, Republik 17, sind 24, und die restlichen auf 100 waren auf die beiden Banken aufgeteilt.

 

V.H.: Ah, das sind die Restlichen insgesamt.

 

E.:

Die Leute, die die Nachricht gelesen haben, haben sich an den Kopf gegriffen, das muss ein Vollidiot sein, den wir da in Wien haben. Was will er? Und da hat man hin und her diskutiert, also was geben wir ihm für eine Antwort. Und da kam zurück, sehr kurz und lakonisch: „Fifty under par“. Also 50 Prozent vom Nominalwert. Mit dem bin ich zur Länderbank gegangen, der ist blass geworden. „Das kann nicht Ihr Ernst sein.“ Sag ich: „Die Antwort habe ich aus New York.“ Zwei Tage später Anruf von der CA. „Ich höre, Sie sind in Verhandlungen mit der Länderbank. Wollen Sie auch unsere Anteile?“ Also wieder Nachricht nach New York, weil mit der Rechtsabteilung will ich mich nicht mehr anlegen. Plötzlich sind da ein paar hell geworden. Also irgendwas, entweder ist er total verrückt, oder irgendwas läuft da. Und da wurde ein Deutscher, der heute in der Schweiz lebt, der war  Finanzdirektor. Er wurde beordert, nach Wien zu kommen, und nach dem Rechten zu sehen. Der kam und ich habe ihm wahrheitsgemäß erzählt, so ist das gelaufen. Und sagt er: „Naja, dann antworten Sie der CA auch: „Fifty under par.“ Die haben wieder geschluckt und nach einigen Wochen kam die Zustimmung. Ich weiß nicht mehr von welcher der beiden Banken zuerst, aber nolens volens.

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