Weil die Frage ja auch ist, wie reagiert ein Executive unter Druck. Haben sie in einer unter-Druck-Situation noch die Entscheidungsfähigkeit, kalt lächelnd und eiskalt etwas durchzustehen und auf Ihrem Standpunkt zu beharren, wenn Sie davon überzeugt sind, dass es der richtige ist? Wir hatten in der Baader-Meinhoff-Zeit eine Bombendrohung in Frankfurt. Zu dem Zeitpunkt war ich in Hannover, und habe mit dem Manager und seiner Frau in der Wohnung zu Abend gegessen. Es kommt ein Anruf, der General Manager von Frankfurt war im Krankenhaus. Der Stellvertreter ist am Telefon, wir haben eine Bombendrohung, ich bin konfrontiert mit dem obersten Feuerwehrmensch von Frankfurt und dem zuständigen Polizeichef. Hotel evakuieren. Unter keinen Umständen. Kennen Sie das Intercontinental in Frankfurt? Das sind zwei Gebäude. 800 Zimmer, 500 in einem und auf der gegenüberliegenden Straßenseite 300. Ich sitze in Hannover. Geben Sie mir den Menschen von der Polizei. Ich bin der und jener, ich bin verantwortlich für das Hotel. Wir können jetzt eines machen, Sie schicken einen Hubschrauber oder lassen mich irgendwie von Hannover abholen, ich bin innerhalb kürzester Zeit in Frankfurt. Aber unter keinen Umständen wird evakuiert. Denn das sind zwei Gebäude, das Hotel ist 95 Prozent ausgelastet, in 800 Zimmern sind mehr als 1500 Gäste, wenn wir jetzt evakuieren, springen 15 vom Fenster herunter und wir haben mehr Tote als wenn – wo ist die Bombe? Das wissen wir nicht. Sage ich, Sehen Sie, wenn Sie mir sagen, die Bombe ist im Nordturm, dann evakuieren wir den Nordturm. Wenn Sie mir sagen, die Bombe liegt im Keller des Südgebäudes, überlegen wir uns etwas. Aber Sie wissen bis jetzt nicht, wo die Bombe liegt? Nein. Also, lassen Sie mich abholen oder ich bleibe da am Telefon. Androhung. Wissen Sie, was passiert, wenn die Bombe explodiert und Sie haben nicht – Sie gehen vor Gericht. Das ist mir alles bewusst. Das ganze ist eine abendfüllende Geschichte und hat einen absolut humoristischen Ausgang. Dann kommt der Anruf von den Bombendrohern. Sie wollen, dass eine Million Mark in einem pop-farbenen Schulranzen bei Kilometer so und so auf einem Zug vom Frankfurt Hauptbahnhof Richtung Mainz aus dem Fenster geworfen wird. Also organisieren Sie das. Ein Polizist soll mit so einem Ranzen mit Papierschnitzeln zu dem Zug gehen und den beim Fenster hinauswerfen. Der Polizist versäumt den Zug. Heute ist das humoristisch, aber damals waren die Nerven bis zum Zerreißen angespannt. Wir müssen auf den nächsten Anruf warten. Der nächste Anruf kommt. Wir geben Ihnen noch eine Chance. Diesmal ein Zug in Richtung Nürnberg oder was immer, nach Osten, wieder bei einer Station den Ranzen hinauswerfen. Okay. Der Polizist jagt zum Bahnhof, der Zug verkehrt nur im Sommerfahrplan. Den Zug gibt’s im Winterfahrplan nicht. Das war im Herbst. Wieder, was machen wir jetzt? Also die letzte Chance. Treffpunkt in einem kleinen Wäldchen in der Nähe vom Steigenberger Hotel am Flughafen, er soll mit dem Auto dort hinfahren, die Motorhaube aufklappen, den Ranzen hinstellen, das Licht drei Mal blinken lassen und vom Auto weggehen. Okay. Das wurde gemacht. Das Wäldchen war umstellt, die zwei vermeintlichen Erpresser wurden gefasst, der eine 17, der andere 18 Jahre alt, keine Bombe. Nur das für mich Absurde: die Gerichtsverhandlung hat nie stattgefunden, weil ich wäre ein Zeuge dabei gewesen und hätte auftreten müssen dort. Das wurde aus welchem Grund auch immer akklamiert. Aber das war Baader-Meinhoff-Zeit, Trittbrettfahrer. Aber stellen Sie sich vor, ich hätte gesagt, ja, wir evakuieren die 800 Zimmer! Zwischen elf Uhr nachts und zwei Uhr früh hat sich das Ganze abgespielt. Da schlafen die meisten im Hotel. Evakuieren – über meine Leiche.

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